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Wie Vater und Sohn Geschichte bewahren
Aktuelles – 05.08.2026
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Wie Vater und Sohn Geschichte bewahren

Pünktlich zum Doppeljubiläum erhält das Rind-Denkmal neuen Glanz
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#badhomburg

Bad Homburg v. d. Höhe. Ein warmer Sommertag in der Bad Homburger Altstadt. Die Sonne steht hoch am Himmel, das Kopfsteinpflaster flimmert in der Mittagshitze. Zwischen den blühenden Pflanzkübeln am Untertor bleiben immer wieder Passantinnen und Passanten stehen. Neugierige Blicke richten sich auf zwei Männer, die konzentriert am Rind-Denkmal (Ecke Rind’sche Stiftstraße/Mußbachstraße) arbeiten. Nur das feine Zischen des Reinigungsstrahls durchbricht die sommerliche Ruhe. Während ringsum das Leben durch die Altstadt zieht, befreien Vater und Sohn Freymadl den Sandstein von den Spuren der vergangenen Jahrzehnte.

Das Doppeljubiläum rückt näher – und das Rind-Denkmal wird auf den besonderen Anlass vorbereitet. Während die Mittagssonne über der Altstadt steht, sind Hermann und Luca Freymadl bereits seit Stunden mit seiner behutsamen Restaurierung beschäftigt. Mit ruhiger Hand und sichtbarer Sorgfalt reinigen sie das mehr als 125 Jahre alte Denkmal im besonders schonenden, chemiefreien JOS-Verfahren. Immer wieder unterbrechen sie ihre Arbeit, prüfen den Sandstein sorgfältig und setzen das Werkzeug erneut an. Zentimeter für Zentimeter gewinnt das Denkmal seinen ursprünglichen Ausdruck zurück. Schnell wird deutlich: Hier geht es nicht einfach darum, Schmutz zu entfernen, sondern darum, ein Stück Bad Homburger Geschichte für das Jubiläum und darüber hinaus zu bewahren.

Wenn Hermann Freymadl erklärt, worauf es bei der Restaurierung historischen Sandsteins ankommt, zeigt sich seine jahrzehntelange Erfahrung. Der Steinbildhauermeister und Restaurator in der Baudenkmalpflege führt eine Werkstatt, die sich auf Bildhauerei, Restaurierung sowie Denkmal- und Grabmalgestaltung spezialisiert hat. Dass sein Sohn einmal denselben Beruf ergreifen würde, war keineswegs selbstverständlich. „Ich habe ihm immer alle Wege offengelassen“, sagt Hermann Freymadl. Luca traf seine Entscheidung selbst. Nach seiner Ausbildung zum Steinmetz und Steinbildhauer an der Hohen Domkirche zu Köln führte ihn ein Stipendium des Zentralverbands des Deutschen Handwerks zur Ausbildung zum Europäischen Restaurator in der Baudenkmalpflege an die Villa Fabris im italienischen Thiene. Als Hermann Freymadl davon erzählt, schwingt unverkennbar Stolz mit. Dass sein Sohn heute ebenfalls historische Bauwerke mit handwerklicher Präzision bewahrt, bedeutet ihm viel.

Wer Vater und Sohn bei ihrer Arbeit beobachtet, merkt schnell: Hier verbinden sich jahrzehntelange Erfahrung und handwerkliche Präzision mit der gemeinsamen Leidenschaft, historische Zeugnisse für kommende Generationen zu erhalten. Die konservatorische Begutachtung bestätigt den guten Gesamtzustand des Rind-Denkmals. Offene Fugen und frühere Ausbesserungen werden überprüft. Die verblasste Inschrift wird anhand historischer Farbreste originalgetreu neu gefasst und dadurch wieder deutlich besser lesbar. Das Ergebnis ist dezent und gerade deshalb überzeugend: Das Denkmal wirkt nicht neu, sondern sorgfältig bewahrt. 

„Denkmäler erzählen Geschichte. Damit sie das auch künftig tun können, braucht es Menschen mit dem Fachwissen und der Leidenschaft, sie zu erhalten“, sagt Oberbürgermeister Alexander W. Hetjes. „Ich freue mich sehr, dass sich das Rind-Denkmal pünktlich zum Jubiläum wieder in diesem hervorragenden Zustand präsentiert. Mein herzlicher Dank gilt Hermann und Luca Freymadl für ihre fachkundige Arbeit und ihren wichtigen Beitrag zum Erhalt unseres kulturellen Erbes.“

Johann Christian Rind (1726–1797) war Kaufmann, Finanzier, Schütze und Stifter. Mit seinem Testament legte er vor 250 Jahren den Grundstein für die bis heute bestehende Rind’sche Bürgerstiftung, die sich seit Jahrhunderten für ältere Menschen in Bad Homburg engagiert. Das Rind-Denkmal entstand nach Entwürfen des Architekten Louis Jacobi und wurde am 28. September 1898 eingeweiht. Seine behutsame Restaurierung bewahrt nicht nur ein bedeutendes Kulturdenkmal, sondern bildet zugleich den Auftakt für die Feierlichkeiten zum Doppeljubiläum.

Wenn sich am 15. August zahlreiche Bad Homburgerinnen und Bad Homburger am Rind-Denkmal versammeln, werden die meisten vor allem das Ergebnis sehen: ein sorgfältig restauriertes Denkmal für einen bedeutenden Bürger der Stadt. Weniger sichtbar bleiben die vielen Stunden konzentrierter Handarbeit, das über Generationen weitergegebene Wissen und die gemeinsame Leidenschaft von Vater und Sohn. Genau darin liegt die besondere Qualität guter Denkmalpflege: Sie drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern sorgt dafür, dass Geschichte sichtbar bleibt.

Zur Geburtstagsfeier für Johann Christian Rind laden der Verein für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg v. d. Höhe und die Rind’sche Bürgerstiftung alle Interessierten herzlich ein: Am Samstag, 15. August, von 11 Uhr an gibt es am frisch sanierten Denkmal in der Bad Homburger Altstadt (Ecke Rind’sche Stiftstraße/Mußbachstraße) ein kleines Programm zu Ehren des Jubilars: Der Geschichtsverein stellt die Festschrift zum Jubiläum vor, das Museum Gotisches Haus zeigt das Porträt des Stifters, das zum Jubiläum in dessen Sammlung übergeht, und die Homburger Schützengesellschaft präsentiert die diesjährige Freiheitsscheibe, die den Stifter und seiner Stiftung zum Thema hat.

Zur besseren Planung bittet der Geschichtsverein um Anmeldungen unter: www.geschichtsverein-hg.de/rind

 

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