Bad Homburg v. d. Höhe. Was einst über Erbgänge und politische Umbrüche in alle Welt verstreut wurde, kehrt nach Bad Homburg zurück: kostbare Porträts, Erinnerungsstücke, Möbel, Porzellan, Silber und Gläser aus der Geschichte des Landgrafenhauses Hessen-Homburg. Über Jahrzehnte haben Eric, Claudia und Theresa Leonhardt diese Zeugnisse zusammengetragen und damit eine außergewöhnliche Privatsammlung geschaffen. Doch in ihrer Gesamtheit wird diese Sammlung nun erstmals der Öffentlichkeit präsentiert – im Museum Gotisches Haus, an einem historischen Ort, der selbst eng mit dem Landgrafenhaus Hessen-Homburg verbunden ist. Damit bringt die Familie ein Stück der Geschichte Hessen-Homburgs an seinen historischen Ort zurück.
„Die Sammlung Leonhardt ist für Bad Homburg in mehrfacher Hinsicht von besonderer Bedeutung. Sie bringt kostbare Zeugnisse unserer Stadt- und Landesgeschichte zurück an ihren historischen Ort und macht zugleich die europäischen Verbindungen des Hauses Hessen-Homburg auf eindrucksvolle Weise sichtbar. Dass diese außergewöhnlichen Stücke nun erstmals gemeinsam und in ihrer besonderen, fast wohnlichen Atmosphäre gezeigt werden können, ist eine große Bereicherung für unser Museum und für alle, die sich für die Geschichte und Kultur unserer Stadt interessieren“, so Oberbürgermeister Alexander Hetjes.
Die Ausstellung wird vier Jahre lang, bis Januar 2030, im Museum Gotisches Haus zu sehen sein. Da aufgrund der Vielzahl der zusammengetragenen Objekte nicht alle Werke gleichzeitig präsentiert werden können, wird die Ausstellung während ihrer Laufzeit immer wieder verändert. Im Laufe der Zeit werden einzelne Räume neu gestaltet und mit weiteren, bislang nicht gezeigten Arbeiten aus der Sammlung Leonhardt bestückt. So gibt es für Besucherinnen und Besucher auch bei wiederholten Besuchen Neues zu entdecken.
Darüber hinaus entstehen in den einzelnen Räumen kleinere thematische Präsentationen, die immer wieder Bezüge zur eigenen Sammlung des Museums herstellen. Auf diese Weise tritt die Sammlung Leonhardt in einen lebendigen Dialog mit den Beständen des Gotischen Hauses und eröffnet über die gesamte Laufzeit der Ausstellung neue Perspektiven auf die Geschichte Bad Homburgs und des Landgrafenhauses Hessen-Homburg.
Sammeln hat in der Familie Leonhardt Tradition
Für Eric, Claudia und Theresa Leonhardt ist das Sammeln mehr als ein Hobby – es ist ein Lebensstil. Über Jahrzehnte haben sie gemeinsam eine
außergewöhnliche Privatsammlung zur Geschichte Hessen-Homburgs sowie zur Kunst- und Kulturgeschichte des 18. und 19. Jahrhunderts aufgebaut. Zahlreiche Objekte ihrer Sammlung waren bereits als Leihgaben in Ausstellungen zu sehen – etwa in „Homburger Pracht“ im Museum Gotisches Haus oder in „Princess Eliza. Englische Impulse für Hessen-Homburg“ im Schloss. Nun wird die Sammlung erstmals in ihrer Gesamtheit im Museum Gotisches Haus der Öffentlichkeit präsentiert.
Gemälde, Miniaturen und Grafiken, Kunsthandwerk aus Silber, Porzellan und Glas sowie Möbel bedeutender europäischer Kunstschreiner des 18. Jahrhunderts erzählen von den Beziehungen Hessen-Homburgs zu den europäischen Höfen und Fürstenhäusern ihrer Zeit. Einen besonderen Schwerpunkt bilden Homburgensien zur Geschichte des Landgrafenhauses Hessen-Homburg, insbesondere zu Landgraf Friedrich VI. Joseph, seiner Gemahlin, der englischen Prinzessin Elizabeth, und seiner Schwester Prinzessin Marianne.
Über Jahrzehnte gelang es der Familie Leonhardt, zahlreiche Kunstwerke und Erinnerungsstücke nach Bad Homburg zurückzuholen, die im 19. Jahrhundert infolge von Erbgängen und politischen Veränderungen international verstreut worden waren. Die Sammlung bewahrt damit nicht nur kostbare Zeugnisse vergangener Zeiten, sondern lässt auch ein Stück der Geschichte des Hauses Hessen-Homburg und seiner europäischen Verbindungen wieder in Bad Homburg sichtbar werden.
Ergänzt wird die Sammlung durch Objekte aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Sie erinnern an Jean Emil Leonhardt, der in Homburg die REX-Conservenglasgesellschaft gründete und mit dem Bau des ersten Schuppens im Industriegebiet wichtige Impulse für die beginnende Industrialisierung der Stadt setzte. So reicht der zeitliche Bogen der Ausstellung von der höfischen Residenz des 18. Jahrhunderts bis zum Wandel Homburgs zur Kur- und Industriestadt.
Eine Privatsammlung wird zur Ausstellung
Die Ausstellung vermittelt zugleich den besonderen Charakter der Sammlung. Ihre Präsentation orientiert sich an der früheren Aufstellung in den Wohnräumen der Familie Leonhardt. Gemälde, Möbel und Kunsthandwerk stehen dabei in dichter Verbindung zueinander. Die bewusst wohnliche Inszenierung bricht mit vertrauten musealen Sehgewohnheiten und lässt die Besucherinnen und Besucher die Sammlung in einer Atmosphäre erleben, die ihrer ursprünglichen Präsentationsform nahekommt.
Die zeitliche Begrenzung der Ausstellung auf vier Jahre und die wechselnde Präsentation einzelner Objekte ermöglichen dabei eine besondere Form der Begegnung mit der Sammlung. Da nicht alle Werke gleichzeitig gezeigt werden können, werden im Laufe der Ausstellung weitere Arbeiten aus dem umfangreichen Bestand der Familie Leonhardt ihren Weg in die Ausstellungsräume finden. Einzelne Räume erhalten dadurch im Laufe der Jahre neue Akzente und erzählen jeweils andere
Facetten der Sammlungsgeschichte.
In vier Themenbereichen entfaltet sich die Geschichte Hessen-Homburgs: Porträts der landgräflichen Familie und kunstvoll geschliffene Erinnerungsgläser führen in die Residenz des 18. Jahrhunderts ein. Ansichten von Homburg und Meisenheim erzählen von der Landgrafschaft und ihren historischen Veränderungen. Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich Prinzessin Elizabeth, Landgraf Friedrich VI. Joseph und Prinzessin Marianne sowie ihren vielfältigen europäischen Verbindungen. Den Abschluss bilden Zeugnisse des Wandels Homburgs zur Kur- und Industriestadt. Romantische Rückblicke auf die mittelalterliche und preußische Geschichte der Stadt ergänzen diesen Blick auf ihre Entwicklung.
Die kleineren thematischen Präsentationen in den einzelnen Räumen greifen darüber hinaus ausgewählte Aspekte auf und setzen sie in Beziehung zu Objekten und Themen der eigenen Museumssammlung. So wird die Ausstellung nicht zu einer statischen Präsentation, sondern entwickelt sich über ihre gesamte Laufzeit weiter.
Ein Dialog zwischen zwei Sammlungen
Mit der Sammlung Leonhardt beginnt zugleich ein besonderer Dialog mit dem Ausstellungsort und seiner eigenen historischen Sammlung. Das Gotische Haus, dessen Bau 1823 begann, geht auf Friedrich VI. Joseph und seine Gemahlin Elizabeth zurück. Beide gehören auch zu den zentralen Persönlichkeiten der hauseigenen Sammlung, deren Grundlagen von den Schwestern Balmer gelegt wurden, die dem Landgrafenhaus Hessen-Homburg zutiefst verbunden waren.
So begegnen sich im Gotischen Haus die Geschichte des Ortes und seiner einstigen Bauherren mit einer außergewöhnlichen privaten Sammlung und ihren ästhetisch wie historisch bedeutenden Zeugnissen. Was über Generationen gesammelt, bewahrt und aus aller Welt nach Bad Homburg zurückgeführt wurde, tritt damit in einen neuen Zusammenhang.
Der Dialog zwischen der Sammlung Leonhardt und den Beständen des Museums wird während der gesamten vierjährigen Laufzeit immer wieder neue Formen annehmen. Durch den Austausch der gezeigten Werke und die thematischen Präsentationen entstehen wechselnde Bezüge zwischen privaten Sammlungsobjekten und der eigenen Sammlung des Gotischen Hauses.
Vergangenheit wird so nicht nur dokumentiert, sondern in der unmittelbaren Begegnung der Objekte neu erfahrbar. Was einst über Generationen hinweg verstreut wurde, findet in Bad Homburg wieder zusammen – und erzählt zugleich eine Geschichte, die weit über die Grenzen der ehemaligen Landgrafschaft hinausweist.