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Waldbegehung | © Stadt
Aktuelles – 05.10.2026
Aktuelles

Waldbegehung mit Vertretern der städtischen Gremien

Stadtwald erfüllt viele Funktionen zugleich
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#badhomburg

Bad Homburg v. d. Höhe. Wie vielfältig die Aufgaben des Stadtforstes sind und vor welchen Herausforderungen der Wald aktuell steht, konnten Mitglieder der städtischen Gremien bei einer rund zweistündigen Waldbegehung Ende September unmittelbar vor Ort erfahren.

 

Auf einer etwa vier Kilometer langen Strecke entlang des Lindenwegs – von der Jupitersäule bis zum Restaurant Hirschgarten – stellte Stadtförster Johannes Kreß verschiedene Themenbereiche vor. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden von Stadtrat Tobias Ottaviani und dem Leiter des Betriebshofs, Stephan Rosik, begleitet und nutzten die Gelegenheit zum fachlichen Austausch.

 

Mehr Sicherheit durch neue Rettungspunkte

Erste Station waren die kürzlich erneuerten Rettungspunkteschilder. Die neuen, größeren Schilder sind deutlich besser sichtbar und enthalten klare Hinweise zum Verhalten im Notfall. „Rettungspunkte sind ein wichtiger Bestandteil der Rettungskette im Wald und ermöglichen es, Einsatzkräften im Notfall einen eindeutig gekennzeichneten Treffpunkt zu benennen“, erklärt Stadtförster Kreß. Zusätzlich wies er auf die kostenlose App „Hilfe im Wald“ hin. Sie zeigt den eigenen Standort und die umliegenden Rettungspunkte an und kann damit die Orientierung im Notfall unterstützen.

 

Holzernte schafft Raum für stabile Mischwälder

An einer zur Holzernte vorbereiteten Waldabteilung mit mehr als 150 Jahre alten Buchen und Eichen wurde erläutert, wie Waldpflege und Naturschutz miteinander verbunden werden. Im Mittelpunkt steht die langfristige Stabilisierung des Eichenanteils. Durch die gezielte Entnahme einzelner Buchen wird den Eichen der notwendige Raum in der Baumkrone verschafft.

 

Zudem wurde erläutert, welchem Zweck das gewonnene Holz dient und wie es anschließend dem stofflichen Wertschöpfungskreislauf zugeführt wird. Auch der Naturschutz findet dabei seinen festen Platz: Innerhalb der Waldabteilung befindet sich eine Totholzinsel mit rund einem Dutzend Altbäumen in unterschiedlichen Zersetzungsstadien. Sie dient als Lebensraum und ökologischer Trittstein.

 

Die Streiteiche als lebendiges Stück Geschichte

Ein besonderer Blickfang der Begehung war die rund 300 Jahre alte Streiteiche. Das etwa 23 Meter hohe Naturdenkmal besitzt einen Stammdurchmesser von rund 1,80 Metern. Die Eiche stammt aus der Zeit der Landgrafschaft Hessen-Homburg. Aus dieser Epoche sind unter anderem historische Dokumente über Grenzstreitigkeiten zwischen Homburg und Kirdorf überliefert. Ob unmittelbar am Standort der Eiche tatsächlich eine konkrete Grenze verlief, lässt sich heute nicht mehr eindeutig nachweisen. Der Name „Streiteiche“ wird jedoch damit in Verbindung gebracht, dass der markante Baum als Orientierungspunkt bei Grenzstreitigkeiten gedient haben könnte.

 

Um die Stabilität des Naturdenkmals langfristig zu sichern, ist eine Kronenverseilung vorgesehen.

 

Wald und Trinkwasser gehören zusammen

Eine weitere Station widmete sich der Trinkwassergewinnung. Rund 53 Prozent der Stadtwaldfläche haben eine besondere Bedeutung für den Trinkwasserschutz. Entlang und in der Nähe der Bäche befinden sich historische Stollen zur Trinkwassergewinnung. Zusammen mit den Hochbehältern leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Stadt mit Trinkwasser. Bei der Waldbewirtschaftung wird diese Funktion deshalb besonders berücksichtigt. Forstliche Maßnahmen werden mit der Wasserwirtschaft abgestimmt. In besonders sensiblen Bereichen wird möglichst bodenschonend gearbeitet oder vollständig auf eine Bewirtschaftung verzichtet.

 

Wiederbewaldung mit vielen Wegen zum neuen Wald

Besonders ausführlich wurde die Wiederbewaldung geschädigter Waldflächen thematisiert. Seit Beginn des Jahrzehnts müssen rund 300 Hektar ehemals mit Fichten bestockter Flächen infolge von Borkenkäferschäden wieder in stabile Waldbestände überführt werden. Seit 2020 wurden auf rund 13 Hektar etwa 40.000 Bäume gepflanzt. Der größere Teil der Flächen soll sich jedoch durch natürliche Verjüngung entwickeln. Entlang des Lindenwegs konnten dafür verschiedene Beispiele gezeigt werden.

 

Birken und andere Pionierbaumarten haben sich auf vielen Flächen bereits von selbst angesiedelt. Sie wachsen schnell, beschirmen den Boden und schützen ihn vor Erosion. Solche Bestände können später weiterentwickelt werden oder als Vorwald dienen, unter dessen Schutz weitere Mischbaumarten gepflanzt werden können.

 

Auf besonders wichtigen Flächen – beispielsweise entlang von Frischluftschneisen, in Trinkwasserschutzbereichen oder bei intensiver Erholungsnutzung – wird dagegen gezielt gepflanzt, um die wichtigen Funktionen des Waldes möglichst schnell wiederherzustellen. Dabei wird die Baumartenvielfalt erweitert. Neben der Eiche kommen beispielsweise Elsbeere und Esskastanie zum Einsatz.

 

Auch die Folgen der Witterung wurden vor Ort sichtbar. Die niederschlagsreichen Jahre 2024 und 2025 waren für die bereits etablierten Kulturen von großem Vorteil. Die neu angelegten Kulturen aus Herbst 2025 und Frühjahr 2026 haben dagegen unter der Trockenheit des Jahres 2026 deutlich gelitten und weisen bereits erhebliche Ausfälle auf.

 

Der Eichelhäher als Helfer bei der Wiederbewaldung

Dass Wiederbewaldung nicht immer mit Pflanzspaten und Setzlingen beginnen muss, zeigte die Vorstellung des sogenannten Hähertellers.

 

Der Eichelhäher sammelt im Herbst große Mengen an Eicheln und versteckt diese über ein weites Gebiet verteilt. Dieses natürliche Verhalten kann für die Waldverjüngung genutzt werden. Auf einem Häherteller werden Eicheln angeboten und vor Mäusefraß und Verrottung geschützt. Die Vögel transportieren die Eicheln anschließend und legen damit gewissermaßen selbst neue Eichenbestände an.

 

Der Forstbetrieb hat hierfür einen eigenen, einfach aufgebauten Bausatz entwickelt. Dieser wird zugleich für die waldpädagogische Arbeit des Stadtförsters eingesetzt und vermittelt Kindern und Jugendlichen auf praktische Weise die Zusammenhänge zwischen Tierwelt, Samenverbreitung und Wiederbewaldung.

 

Fachlicher Austausch zum Abschluss

Die Waldbegehung zeigte eindrucksvoll, wie viele unterschiedliche Interessen und Aufgaben im Stadtwald zusammenkommen. Die Bewirtschaftung des Waldes, der Schutz von Wasser und Boden, die Förderung der Artenvielfalt, die Wiederbewaldung geschädigter Flächen und die Bedeutung des Waldes als Erholungsraum müssen dabei gemeinsam betrachtet werden.

 

Bei einem kleinen Imbiss im Restaurant Hirschgarten klang die Begehung aus und die Teilnehmenden konnten die Themen weiter vertiefen und Fragen diskutieren.