Bad Homburg v. d. Höhe. Was passiert, wenn aus einem abstrakten Thema plötzlich ein Gesicht wird? Wenn man nicht mehr über „die anderen“ spricht, sondern einem Menschen mit seiner ganz persönlichen Geschichte begegnet? Genau darum geht es bei der Ausstellung „Gesicht zeigen – gegen Rassismus und Antisemitismus“, die vom 31. August bis 11. September im Jugendzentrum Oberste Gärten zu sehen ist.
Die Ausstellung von PINOT – jüdische Bildungsbausteine zeigt die Gesichter von Menschen, die in ihrem Leben unterschiedliche Formen von Diskriminierung erfahren haben und sich gleichzeitig für Gerechtigkeit, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander einsetzen. Ihre Lebenswege sind ganz unterschiedlich: Unter den Porträtierten finden sich unter anderem der Musiker Moses Pelham, zwei Imame und eine Dragqueen. Zu sehen sind auch Esther Bejarano, Überlebende der NS-Verfolgung und lebenslange Kämpferin gegen Antisemitismus, sowie Dominique Baltas, Überlebender des rassistischen Anschlags von Hanau im Jahr 2020. Die Fotos stammen vom Fotografen Rafael Herlich.
Im Mittelpunkt des Projekts stehen die Schülerinnen und Schüler der Gesamtschule am Gluckenstein. Jeden Tag kommen vier Klassen in zwei Durchläufen in das Jugendzentrum und erhalten eine Führung durch die Ausstellung. Dafür kommt Niko Deeg, Geschäftsführer von PINOT – jüdische Bildungsbausteine, jeden Tag von Hanau nach Bad Homburg. So können innerhalb von zwei Wochen alle Klassen die Ausstellung kennenlernen und miteinander sowie mit Deeg über Rassismus, Antisemitismus und die Folgen für die betroffenen Menschen sprechen.
Nach der Führung, in der Deeg einzelne Gesichter vorstellt und persönliche Geschichten zu den dargestellten Personen erzählt, können die Schülerinnen und Schüler die Ausstellung eigenständig erkunden. Begleitet werden die Porträts von Audioaufnahmen, die weitere Einblicke in die Lebensgeschichten und das Engagement der Menschen geben.
Dabei wird Diskriminierung anhand persönlicher Erfahrungen greifbar. Die Jugendlichen lernen Menschen kennen, die Ausgrenzung und Diskriminierung selbst erlebt haben, und erfahren gleichzeitig, wie sie sich für Gerechtigkeit, Vielfalt und ein respektvolles Miteinander einsetzen.
Gerade in sozialen Medien werden Menschen immer wieder vorschnell bestimmten Gruppen zugeordnet oder auf einzelne Merkmale reduziert. Deshalb ist es wichtig, Jugendlichen einen respektvollen und offenen Umgang miteinander vorzuleben. Die Ausstellung bietet ihnen die Möglichkeit, Menschen und ihre persönlichen Lebenswege kennenzulernen – jenseits von Vorurteilen und Schubladendenken. So fördert sie Empathie, Verständnis und einen offenen Blick auf die Vielfalt unserer Gesellschaft.
„Demokratie lebt davon, dass Menschen einander zuhören, Unterschiede aushalten und sich gegenseitig mit Respekt begegnen. Genau deshalb ist es so wichtig, dass Jugendliche nicht nur über Rassismus und Antisemitismus sprechen, sondern Menschen und ihre persönlichen Geschichten kennenlernen. Die Ausstellung schafft dafür einen ganz unmittelbaren Zugang und zeigt zugleich, dass jeder Einzelne etwas für ein respektvolles und vielfältiges Miteinander tun kann“, sagt Stadtrat Tobias Ottaviani.
„Gesicht zeigen“ macht zugleich deutlich, dass Menschen mehr sind als die Diskriminierung, die sie erfahren haben. Viele der Porträtierten haben sich entschieden, selbst aktiv zu werden und sich für andere einzusetzen. Damit vermittelt die Ausstellung nicht nur Wissen über Rassismus und Antisemitismus, sondern zeigt auch positive Beispiele für Zivilcourage, Engagement und die Bereitschaft, Verantwortung für eine vielfältige Gesellschaft zu übernehmen.
Möglich geworden ist das Projekt durch die gute Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Angestoßen wurde die Kooperation durch Stadtrat Ottaviani und von der DEXT-Fachstelle für Demokratieförderung und Extremismusprävention der Stadt Bad Homburg koordiniert.
Beteiligt sind die Stadtverwaltung Bad Homburg, das Jugendzentrum Oberste Gärten, maßgeblich durch dessen Leiterin Laura Schichtel, die Gesamtschule am Gluckenstein, insbesondere durch Johannes Seel, sowie PINOT – jüdische Bildungsbausteine mit Geschäftsführer Niko Deeg.
Die gemeinsame Umsetzung ermöglicht es, politische Bildung und Demokratieförderung direkt mit dem Schulalltag zu verbinden. Alle Klassen der Gesamtschule am Gluckenstein erhalten die Gelegenheit, sich intensiv mit den Themen Rassismus, Antisemitismus, Diskriminierung und demokratisches Miteinander auseinanderzusetzen – und dabei Menschen kennenzulernen, deren persönliche Geschichten zum Nachdenken und zum Gespräch anregen.
Am Freitag, 11. September, ist die Ausstellung von 12 bis 15 Uhr auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Interessierte sind herzlich eingeladen, ins Jugendzentrum Oberste Gärten, Oberste Gärten 1 in Bad Homburg, zu kommen, die Porträts und Audioaufnahmen kennenzulernen und sich auf die persönlichen Geschichten der Menschen einzulassen, die in der Ausstellung vorgestellt werden.