Es war einmal in einer kalten, klaren Weihnachtsnacht, als ich, der Ritter von Marx durch den Hardtwald ritt. Da plötzlich taucht ein zinnoberrotes Eichhörnchen aus dem Gebüsch und erschreckt meinen Sankt-Waldemar-Ludwig-Erhardt fürchterlich. Mein Pferd, ein schneeweißer Wallach mit grauer Mähne, zieht die Hufe in die Höhe und richtet sich zu einer vollen Angstpose auf. Dabei tippt er die Astspitzen der großen Kastanien an, wobei mich weißer Schnee berieselt. Ich beruhigte Sankt-Waldemar-Ludwig-Erhardt sanft und schaute mich um. Das zinnoberrote Eichhörnchen blickte mich mit funkelnden Augen an, als wollte es mir etwas zeigen. Neugierig folgte ich ihm, durch den verschneiten Wald, bis plötzlich zwischen den Bäumen ein schwaches Licht schimmerte. Es war warm und golden, wie von einer Laterne.
Je näher ich kam, desto deutlicher konnte ich erkennen, dass es vom Weißen Turm in Bad Homburg kam! Doch der Turm sah anders aus als sonst – er glitzerte, als bestünde er aus purem Eis. „Folge mir, Ritter von Marx!“, rief eine leise Stimme. Ich sah mich um, doch niemand war zu sehen, nur das kleine Eichhörnchen, das jetzt auf einem Ast saß und mit seinem buschigen Schwanz winkte. Zögernd folgte ich weiter, über den gefrorenen Boden, an dem die Hufe meines Pferdes leise knirschten. Als ich am Fuß des Turms ankam, öffnete sich plötzlich eine schwere Holztür wie von Zauberhand. Innen war alles in ein warmes, goldenes Licht getaucht. Eiszapfen hingen von der Decke und funkelten wie Diamanten.
In der Mitte stand ein riesiger Tannenbaum, geschmückt mit goldenen Kugeln, silbernen Sternen und roten Schleifen. Unter dem Baum saß ein alter Mann mit einem langen weißen Bart – er sah aus wie der Geist des Winters selbst. „Willkommen, Ritter von Marx“, sprach er. „Ich bin der Hüter des Bad Homburger Weihnachtszaubers. Doch dieses Jahr droht der Zauber zu verschwinden, wenn niemand das Herz des Schlossparks findet.“ Ich wusste nicht recht, was ich tun sollte, aber das Eichhörnchen sprang schon wieder voran, diesmal hinaus in den Schlosspark. Ich ritt ihm auf meinem treuen Sankt-Waldemar-Ludwig-Erhardt hinterher, vorbei an den verschneiten Alleen, wo die alten Statuen aussahen, als würden sie über mich wachen. Im Mondlicht funkelte der Schnee, und die Luft roch nach Frost und Tannennadeln.
Schließlich blieb das zinnoberrote Eichhörnchen vor einer alten Eiche stehen. In ihrem Stamm war ein Herz eingeritzt, das schwach leuchtete. „Das ist das Herz des Schlossparks!“, rief ich. Ich legte meine Hand darauf, und plötzlich begann alles um mich herum zu leuchten. Der Schnee erhob sich wie tanzende Funken, und ich hörte ferne Glocken läuten. Eine warme Brise streifte mein Gesicht, und ich wusste, der Weihnachtszauber war zurückgekehrt. Als das Licht verblasste, stand ich wieder am Rand des Hardtwalds. Der Weiße Turm war still und dunkel, als wäre nichts geschehen. Nur in meiner Hand glitzerte ein kleines goldenes Herz – ein Zeichen dafür, dass der Zauber gerettet war. Ich ritt zurück in die Stadt, wo in den Fenstern der Häuser Kerzen brannten und Kinder lachten. Und so endete die Geschichte von Ritter von Marx, seinem treuen Pferd Sankt-Waldemar-Ludwig-Erhardt und dem Weihnachtszauber von Bad Homburg.