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Märchenwettbewerb 2025 | © Doro Kaiser Illustration
Märchenwettbewerb 2025

Der Weihnachtspapagei

von Sophia Roll, Klasse 4, Friedrich-Ebert-Schule

 

Papagei Lucy verschwindet vor Weihnachten, taucht beim Krippenspiel wieder auf und sorgt für das fröhlichste Fest der Familie.

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#badhomburg

Die Wünsche eines kleinen Schlüssels

Lia, Leni und Leonard kamen heute früher von der Schule nach Hause, denn es war der letzte Schultag vor den Weihnachtsferien. Die Friedrich-Ebert-Schule und das Kaiserin-Friedrich-Gymnasium hatten schon nach der dritten Stunde geschlossen. Als ihre Mutter die Tür öffnete, wurden die Kinder von Lucy, ihrem Papagei begrüßt. „Hallo Lucy!“, sagte Lia. „Hallo! Hallo!“, antwortete der Vogel. Lucy durfte vormittags oft frei in der Wohnung herumfliegen. „Ich habe euch etwas gekocht, muss aber gleich wieder zurück zur Arbeit“, sagte Mama und flitzte etwas gestresst los.  Nach dem Mittagessen gingen alle Kinder zu ihren Hobbies. Lia und Leni fuhren zum HCH und Leonard zu den Bombers. Lucy saß am Fenster und schaute ihnen nach.

Als Papa am frühen Abend nach Hause kam, waren alle Kinder noch unterwegs. Er bereitete das Abendessen vor: Heute sollte es Kartoffelbrei und in der Pfanne knusprig gebratene Fischstäbchen geben. Lucy beobachtete ihn unbemerkt vom Küchenschrank aus. Plötzlich klingelte Papas Handy. Es war sein Chef, der ihn viel zu lange aufhielt. Leider vergaß er deshalb völlig die Fischstäbchen. „So ein Mist!“, fluchte Papa, als er dicke Rauchwolken in der Küche sah. Er legte hektisch auf und riss das Küchenfenster auf.

Am ersten Ferientag schlief die Familie sehr lange aus. Als Leonard aufwachte und auf die Uhr sah, wunderte er sich, denn normalerweise weckte Lucy die Familie viel früher mit ihrem Gekrächze, wenn sie morgens Hunger hatte. Er weckte seine Schwestern und sie huschten leise zu Lucys Käfig. Oh nein! Der Käfig war tatsächlich leer. „Hat sie jemand von euch gestern wieder in den Käfig gesetzt?“, fragte Leni. „Ich nicht“, antwortete Lia. „Ich auch nicht“, sagte Leonard. „Lasst sie uns suchen, sie ist bestimmt auf ihrem Lieblingsplatz auf dem Küchenschrank.“ Aber da war sie nicht. Und auch sonst nirgends in der Wohnung. Sie rannten zu Mama und Papa und weckten sie. Sie suchten mit, aber Lucy blieb verschwunden. Da fiel Papa das mit den Fischstäbchen ein und der Familie war nun klar, dass ihr geliebtes Haustier ausgebüxt war. Den ganzen Tag verbrachten sie damit, die Nachbarschaft in Gonzenheim abzusuchen und Plakate aufzuhängen. Aber niemand hatte Lucy gesehen.

Vier Tage lang suchten sie vergeblich, dann war Weihnachten. Es war der traurigste Weihnachtstag, den die Familie je erlebt hatte. Trotzdem gingen sie am Abend in die Kirche Heilig Kreuz, denn die Kinder spielten alle drei beim Krippenspiel mit. Wie jedes Jahr war die schöne Krippe von Heilig Kreuz aufgebaut. Lia durfte dieses Jahr der Verkündigungsengel sein. Als sie feierlich zu den Hirten sprach: „Fürchtet euch nicht, ich verkündige euch eine große Freude“, krächzte es plötzlich vom Dach der Krippe: „Freude, Freude!“

„Luuuuuuuucyyyyyyyy!“, schrien die drei Kinder völlig außer sich. Lucy flatterte wild auf, flog auf Lias Kopf und setzte sich in den Heiligenschein des Verkündigungsengels. „Huch“, sagte die alte Nachbarin von Lia, Leni und Leonard. „Das ist aber eine bunte Friedenstaube dieses Jahr.“ Damit war es mit der Ruhe in der Kirche vorbei – ein großes, aber fröhliches Chaos brach aus.

Nach der Kirche ging die Familie glücklich mit Lucy nach Hause und die Kinder durften ihre Geschenke auspacken. Das schönste Weihnachtsgeschenk aber war, dass Lucy wieder zurück war.

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