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(v.l.) Martin Gonder, Fachbereichsleiter Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz, Landrat Ulrich Krebs, Stadtrat Tobias Ottaviani, Oberbürgermeister Alexander Hetjes, Jennifer Janson-Hitzges, Leitung Kita Hessengärten, Florian Pink, Olaf Vogeler, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst, Tobias Horie und Caro Glück, beide Kita Hessengärten.  | © Stadt
Aktuelles – 20.05.2026
Aktuelles

KatRetter-App und beherztes Eingreifen von Kita-Mitarbeitern retten Familienvater das Leben

OB und Landrat werben für eine Registrierung in der App
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#badhomburg

Bad Homburg v. d. Höhe. Wie wichtig bei einem medizinischen Notfall ein schnelles, beherztes und gleichzeitig koordiniertes Eingreifen ist, das zeigt ein Vorfall, der sich Ende vergangenen Jahres in der Kita Hessengärten ereignete. Als Florian Pink seinen Sohn aus der Kindertagesstätte abholen wollte, erlitt er plötzlich eine Herzrhythmusstörung und sank zu Boden.

 

Die folgenden Minuten sollten darüber entscheiden, ob der 46-Jährige überleben werde. Kita-Leiterin Jennifer Janson-Hitzges und ihr Team handelten blitzschnell. Janson-Hitzges prüfte die Bewusstlosigkeit, Mitarbeiter Tobias Horie wählte sofort den Notruf 112 und Janson-Hitzges begann zusammen mit ihrer Mitarbeiterin Caro Glück unmittelbar mit der Herz-Lungen- Wiederbelebung, unterstützt durch telefonische Hilfestellung zur Reanimation durch die Leitstelle Hochtaunus (HTK).

 

Die Integrierte Leitstelle des HTK nahm den Notruf sofort an, leitete die Telefonreanimation ein und alarmierte zeitglich den Rettungsdienst und verfügbare Ersthelfer über die App „KatRetter“. Diese benachrichtigt registrierte Ersthelferinnen und -helfer per Pushnachricht auf ihren Smartphones, wenn in der Nähe ihres Standorts ein Notfall eintritt. Tatsächlich befand sich eine Helferin in der Nähe und konnte innerhalb von vier Minuten in der Kita sein. Auch Notarzt und Rettungswagen trafen kurze Zeit später ein.

 

„Das KatRetter-Modell ist auch deswegen so erfolgreich, weil es über die Grenzen der Kommunen hinweg funktioniert. Es ist unerheblich, ob ein freiwilliger Helfer gerade in der Nähe seines Zuhauses, auf dem Weg in den Feierabend oder beim Einkaufen drei Orte weiter ist: Er bekommt mit, dass ein Notfall in seiner unmittelbaren Umgebung vorliegt und kann schnell eingreifen. Dieser selbstlose Dienst an Mitmenschen verdient höchste Anerkennung“, sagt Landrat Ulrich Krebs.

 

„Dieser Vorfall macht nicht nur die Wichtigkeit schnellen Handelns, sondern auch die Bedeutung der KatRetter-App klar. Wenn Ersthelferinnen und -helfer direkt anhand ihres Standortes über Notfälle in der Nähe benachrichtigt werden können, wird wertvolle Zeit gewonnen, die über Leben und Tod entscheiden kann. Daher ist es wichtig, dass möglichst viele Helferinnen und -helfer in der App registriert sind“, sagt Oberbürgermeister Alexander Hetjes und dankt allen Beteiligten. Dass das System „KatRetter“ funktioniert, zeigt auch die Ironie des Schicksals: Da Florian Pink selbst im Rettungsdienst aktiv ist, hat sogar sein eigenes Mobiltelefon eine Meldung erhalten.

 

Dr. Olaf Vogeler, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst beim Hochtaunuskreis, unterstreicht, dass die Mitwirkung am KatRetter-Programm allen Interessierten offensteht und wirbt für die Teilnahme. „Es kann jeder mitmachen, der an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen hat und sich vorstellen kann, sein Wissen später bei wiederkehrenden kurzen Update-Kursen zur Reanimation aufzufrischen.“ Einzelpersonen sind ebenso willkommen wie Gruppen, die sich etwa aus Vereinen kennen. „Wir suchen Menschen, die bereit sind, ihren Mitmenschen zur Hilfe zu kommen, wenn akute Lebensgefahr besteht, und die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken. Das ist ohne dauerhafte Verpflichtung und ohne medizinische Vorkenntnisse möglich“, so Vogeler weiter.

 

„Zum glücklichen Ausgang dieses Vorfalls hat auch das vorbildliche Verhalten des Teams der Kita Hessengärten maßgeblich beigetragen, indem die Kolleginnen und Kollegen sofort eingeschritten sind und die richtigen Handlungen – Ersthilfe und Notruf – durchgeführt haben“, betont Stadtrat Tobias Ottaviani. „Wichtig ist in diesem Moment, einfach zu handeln, den Mut haben, etwas zu tun“, sagt Kita-Leiterin Jennifer Janson-Hitzges. Stadtrat Ottaviani kündigte zudem an, dass die flächendeckende Ausstattung der städtischen Kindertagesstätten mit Defibrillatoren für den nächsten Haushalt vorgesehen ist.

 

Florian Pink hatte ein sogenanntes Kammerflimmern, bei dem ein akutes Problem in der Leitung der Herzimpulse auftritt. Vorschädigungen waren nicht bekannt. „Das zeigt, dass es jeden treffen kann“, so Pink, der ebenfalls für eine Registrierung in der KatRetter-App wirbt. Dank des guten Zusammenspiels aus schnellem Handeln, Hilfe vor Ort und des schnellen Eintreffens der Rettungskräfte konnte Florian Pink das Leben gerettet werden.

 

Der Hochtaunuskreis nutzt KatRetter seit Januar 2025 als zusätzliches Glied in der Rettungskette. „Die App ist kein Ersatz für den gewohnten Einsatzverlauf, sie dient als zusätzliche Unterstützung. Datenschutz und Privatsphäre der Nutzenden sind garantiert, so wird auch niemand verpflichtet, bei einem Alarm in der Nähe auszurücken“, erklärt Martin Gonder, Fachbereichsleiter Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz im Hochtaunuskreis. Für an Einsätzen Beteiligte gibt es auch ein Nachsorgeangebot. Im vergangenen Jahr gab es rund 150 Einsätze, bei denen Helferinnen und Helfer via KatRetter alarmiert wurden; in 97 Fällen waren sie im Einsatz. Im gesamten Kreisgebiet sind knapp 600 Ersthelferinnen und -helfer in der App registriert.

 

Weitere Informationen zur Nutzung der KatRetter-App im Hochtaunuskreis gibt es unter www.hochtaunuskreis.de/katretter.

 

 

Olaf Vogeler demonstriert eine Herzdruckmassage | © StadtOlaf Vogeler demonstriert eine Herzdruckmassage | © Stadt
Jennifer Janson-Hitzges und Florian Pink | © StadtJennifer Janson-Hitzges und Florian Pink | © Stadt
KatRetter App | © StadtKatRetter App | © Stadt