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28.04.2020

Kunstaktion in der Innenstadt: Jetzt kommt Farbe ins Spiel

Bad Homburg. Im Moment ziert sie ein Schleifchen, dass ihnen der stellvertretende Stadtverordnetenvorsteher Peter Braun umgewickelt hat. Die Rede ist von den Sitzbänken in der Innenstadt. Der Krisenstab der Stadt Bad Homburg v. d. Höhe hatte das THW beauftragt, die Sitzmöbel durch das Anbringen von Spanplatten so abzusperren, dass dort künftig nur noch zwei Personen einen Sitzplatz finden und die Abstände eingehalten werden. Doch die Schleifchen sind nur vorübergehender Natur, denn demnächst kommt Farbe ins Spiel.
Quasi zeitgleich war sowohl dem Bad Homburg Veranstalter und Moderator Enrico Josche als auch Antje Klaus, Kunstlehrerin an der Gesamtschule am Gluckenstein, die Idee gekommen, die hölzerne Absperrung künstlerisch zu gestalten. Also trugen sie ihre Idee der Stadt vor – und dort war man begeistert. „Wir wären ja ,schön blöd‘, wenn wir so ein tolles Angebot nicht annehmen würden“, so Oberbürgermeister Alexander Hetjes. Er kündigt an, dass die Stadt das Projekt nicht nur ideell, sondern auch finanziell unterstützen werde.
Am Wochenende, spätestens Anfang der kommenden Woche soll das Kunstprojekt starten. „Die Spanplatten auf den Sitzbänken in der Innenstadt sind zwar zweckdienlich, über ihren dekorativen Mehrwert aber lässt sich streiten. Die Holzplatten bieten uns jedoch auch eine Möglichkeit, dem Stadtbild neue Finesse hinzuzufügen“, sagt Josche. Er möchte die Platten als Leinwände wahrnehmen, auf denen etwa Impressionen der alljährlichen Stadtfeste gezeigt werden könnten, die in diesem Jahr ausfallen müssen. Daher fordert Josche seine Mitbürgerinnen und Mitbürger auf, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen und sich mit einem Entwurf oder einer Idee unter der Email-Adresse spanplatten@mainslam.com zu melden. Josche: „Und dann schauen wir, welche Ideen auch umgesetzt werden können.“
Antje Klaus will das Projekt mit ihren Schülern umsetzen. Die Kunstklassen bekommen die Aufgabe, eine Skizze ihrer Idee bei den Kunstlehrern einzureichen. Wichtig ist der Pädagogin, dass die Aktion unter Berücksichtigung der gültigen (Corona-)Verhaltensregeln abläuft. So sollen beispielsweise immer nur zwei Schüler gemeinsam und mit Masken ausgerüstet unterwegs sein. Auch bei der Abholung von Farbe, Pinsel, Zeitung und Kreppband (zum Abdecken der Bänke), die die Schule zur Verfügung stellt, wird darauf geachtet, dass sich die Schüler/-innen möglichst nicht begegnen. „Die Abholung der Materialien findet vor der Schule statt, damit die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gar nicht erst das Schulgebäude betreten müssen“, erklärt Lehrerin Klaus. Kunstlehrer besuchen die Schüler/innen bei der Arbeit und unterstützen die freiwilligen „Stadtverschönerer“. Als mögliche Motive schweben Antje Klaus die Leitziele für Bad Homburg 2030, Motive aus Bad Homburg (Weißer Turm, Laternenfest) und Aufrufe zur Solidarität in Corona-Zeiten vor.
„Ich bin gegeistert vor so viel Engagement. Hier sind echte Herzensmenschen am Werk“, sagt Oberbürgermeister Hetjes in Anspielung auf das gleichnamige städtische Online-Projekt. Mit dem Anbringen der Spanplatten hatte es Bad Homburg in den satirischen Wochenrückblick „Schön blöd“ des Hessischen Rundfunks gebracht, mit dem sich nun anschließenden Kunstprojekt, so hofft Hetjes nicht ganz ernst gemeint, „sollte es Bad Homburg in Sendungen wie ,Aspekte‘ oder ‚Titel, Thesen, Temperamente‘ schaffen“.
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