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Stadtarchiv erwirbt Brief von Queen Victoria an Homburger Landgraf
Aktuelles – 11.03.2026
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Stadtarchiv erwirbt Brief von Queen Victoria an Homburger Landgraf

Kondolenzschreiben von 1848
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#badhomburg

Bad Homburg v. d. Höhe. Kürzlich bot sich dem Stadtarchiv die einmalige Gelegenheit zum Ankauf eines „wahren Schatzes“. Auf der 63. Antiquitätsmesse in Stuttgart hat ein Antiquariat aus Dresden das Original eines Briefs der britischen Königin Victoria an einen Homburger Landgrafen angeboten. Gregor Maier, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Landeskunde Bad Homburg, hatte das Stadtarchiv auf das Einzelstück aufmerksam gemacht.

 

Um es zu erwerben, mussten die Interessenten allerdings noch ein Losverfahren durchlaufen. Nur wer aus dem Lostopf gezogen wurde, hatte die Option auf einen Kauf. Stadtarchiv und Geschichtsverein warfen beide ihren Hut in den Ring – und das Stadtarchiv erhielt tatsächlich den Zuschlag. So konnte die Stadt das Exponat für 2.500 Euro erwerben.

 

Bei dem Original handelt sich um einen gefühlvollen Kondolenzbrief der jungen Königin Victoria von Großbritannien und Irland (1819-1901) zum Tod des Erbprinzen Friedrich, des jüngsten Kindes und einzigen Sohnes Landgraf Gustavs von Hessen-Homburg. Er verstarb am 4. Januar 1848, noch nicht achtzehnjährig, in Bonn.

 

Am 9. Februar 1848 schreibt Victoria dem Landgrafen, ihrem lieben Cousin „Good Cousin“ und bekundet ihr allertiefstes Beileid, sie beteuert ihre Verbundenheit, wünscht alles Wohlergehen und keine weiteren Schicksalsschläge. Bei Landgraf Gustav handelte es sich um den Schwager ihrer Tante, Landgräfin Elizabeth von Hessen-Homburg, die mit seinem Bruder Friedrich VI. Joseph verheiratet gewesen war.

 

Königin Victoria nutzte in ihren frühen Briefen und Tagebüchern, insbesondere im Kontext ihrer engen Verwandtschaftsverhältnisse durch das Haus Sachsen-Coburg und Gotha, häufig familiäre Bezeichnungen für europäische Monarchen. Durch die Heirat mit ihrem Cousin Albert 1840 und die Vernetzung der Dynastien war sie mit vielen Herrschern direkt verwandt, was sie durch die Anrede als „Bruder“ (oft im diplomatischen Sinne „Brother King/Queen“) oder „Cousin“ (für Verwandte) zum Ausdruck brachte.

 

„Dieses Schriftstück ist für unsere Stadtgeschichte von besonderem Wert – zeigt es doch, dass das Landgrafenhaus Hessen-Homburg, das von 1622 bis 1866 bestand, trotz seiner geringen Größe als souveräne Landgrafschaft im Heiligen Römischen Reich und später im Deutschen Bund eine bedeutende Stellung einnahm. Zudem unterstreicht es einmal mehr die engen historischen Bande zwischen Homburg und England“, sagt Oberbürgermeister Alexander Hetjes.

 

Eckdaten zu den Beziehungen zwischen England und Bad Homburg

 

Bad Homburg und die ehemalige Landgrafschaft Hessen-Homburg blicken auf eine jahrhundertelange Beziehung zu England zurück.

 

  • 1699: Wilhelm III., König von England, Schottland und Irland, sowie zwei deutsche protestantische Fürsten bitten bei Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg um Aufnahme der aus Frankreich vertriebenen Waldenser. Eine englische Stiftung kommt für das Gehalt des Pfarrers in Dornholzhausen auf.
  • 1818: Heirat von Elizabeth „Eliza“, Tochter des britischen Königs George III., mit Erbprinz (ab 1820 Landgraf) Friedrich VI. Joseph von Hessen-Homburg. Landgräfin Elizabeth ließ unter anderem das Schloss sowie die landgräflichen Gärten verschönern. Ebenso war sie Ideengeberin für das Gotische Haus. Sie war die Tante von Queen Victoria.
  • Nach 1840: Englische Kurgäste entdecken das junge Kurbad Homburg – 1857 sind von 8.500 Kurgästen bereits 1.700 Engländer. First-Class-Hotels mit Namen wie Englischer Hof, Hotel Windsor und Royal Victoria Hotel entstehen. Schriftsteller wie Oscar Wilde, William Thackeray, George Elio und Robert Louis Stevenson besuchen die Stadt und halten ihre Eindrücke in ihren Werken fest.
  • Ab 1859: Planung zum Bau einer Englischen Kirche in Homburg (1868 eingeweiht).
  • 1860: Bau der Eisenbahn Homburg – Frankfurt, Konzession 1859 an den englischen Eisenbahnunternehmer Sir Samuel Morton Peto.
  • ab 1869: Edward (Eduard VII.), Prince of Wales, regelmäßiger Kurgast in Homburg, macht den „Homburg-Hut“ als mondäne Herren-Kopfbedeckung berühmt.
  • 1870: Princess Royal Victoria, Tochter der Queen Victoria, Ehefrau des späteren Kaisers Friederich III. und Mutter von Kaiser Wilhelm II. richtet während des deutsch-französischen Krieges eine Lazarettbaracke in Homburg ein. Nach dem Tod ihres Mannes (1888) residiert sie für längere Zeit im Homburger Schloss (bis 1893) und siedelt dann nach Kronberg über.  Sie begründet in Homburg zwei Mädchenschulen, das Victoria-Pensionat und das „Institut St: Maria der Englischen Fräulein“ (heute Maria-Ward-Schule). Ein Denkmal von Victoria (Kaiserin Friedrich) und Friedrich III. ziert den Schmuckplatz im Kurpark.
  • 1888: Der Engländer William Lindley entwickelt das erste städtische Sielsystem (Kläranlage)
  • 1965: Neuknüpfung der Bande mit Großbritannien nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Städtepartnerschaft mit Exeter

 

Zudem brachten englische Kurgäste die Begeisterung für Tennis und Golf nach Bad Homburg und machten die Kurstadt zum Pionier beider Sportarten auf dem europäischen Festland.

 

  • Ab 1874: Erste private Tennisspiele in Bad Homburg
  • 1876: Erstes offizielles Tennis-Spiel im Kurpark und Gründung des TC Bad Homburg
  • 1899: Erstes Golf-Spiel im Kurpark und Gründung Golf Club 1899 – seit 2013: Royal Homburger Golf Club 1899 e.V. (verliehen durch Queen Elizabeth II.)