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Friedrich-Hölderlin-Preis 2016 für Christoph Peters und Per Leo

Der Schriftsteller Christoph Peters erhält den mit 20.000 Euro dotieren Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg. Oberbürgermeister Alexander Hetjes überreichte die Auszeichnung am Sonntag, 12. Juni, in der Englischen Kirche. Laudator war Vorjahrespreisträger Michael Kleeberg. Der mit 7.500 Euro dotierte Förderpreis geht an Per Leo.

© Christoph Peters bei der Preisverleihung| Foto:Jochen Reichwein | © Jochen Reichwein

Christoph Peters

 

Die Begründungen

Die Jury begründete ihr Votum für Christoph Peters: „Sein vielgestaltiges Werk kreist in immer neuen, unerwarteten und originellen Anordnungen um die Grundfragen nach der Wahrheit und der Schönheit, sofern es sich dabei nicht um eine einzige Frage handelt, nämlich um die nach der Bestimmung unseres Lebens. Religionen und Glaube sind dem katholisch Sozialisierten, der sich längst dem Islam und dem Zen-Buddhismus geöffnet hat, dabei ebenso wichtig wie dem vormaligen Kunststudenten Fragen der Ästhetik, gleich ob sie sich in einem mittelalterlichen Altar oder einem japanischen Teegeschirr äußern. An den Schnittstellen von Ethik und Ästhetik siedeln Peters' Romane, hinter deren leichthändig wirkender Form sich immer eine tiefernste und kompromisslose Auseinandersetzung mit der conditio humana verbirgt.“

Christoph Peters wurde am 11. Oktober 1966 in Kalkar geboren. Er studierte Malerei in Karlsruhe und war zur Zeit seiner ersten Veröffentlichungen hauptberuflich als Fluggastkontrolleur am Flughafen Frankfurt am Main tätig. Seit 2000 arbeitet er als freier Autor. Peters lebt mit Frau und Tochter in Berlin. Peters erhielt 1999 nach der Veröffentlichung von „Stadt Land Fluß“ ein bemerkenswert breites und positives Echo in den Medien. Der Roman wurde als Debüt wahrgenommen, die 1996 veröffentlichte Erzählung „Heinrich Grewents Arbeit und Liebe“ fand erst nach der Neuauflage 2004 Beachtung. Die Jury des Hölderlinpreises erkannte Peters die Auszeichnung auf Grund seines Gesamtwerks zu und würdigte dabei neben den bereits genannten Veröffentlichungen insbesondere „Kommen und Gehen, manchmal bleiben“ (2001), „Das Tuch aus Nacht“ (2003), „Ein Zimmer im Haus des Krieges“ (2006), „Tim Eitel: A Stage“ (2006), „Mitsukos Restaurant“ (2009), „Minga verzaubert die Welt“ (2009), „Sven Hofstedt sucht Geld für Erleuchtung“ (2010), „Wir in Kahlenbeck“ (2012), „Einschreiben Aufzeichnen“ (2013) und „Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“ (2014).

Per Leo

 

Die Begründungen

Die Jury begründete ihre Entscheidung, den Förderpreis an Per Leo zu verleihen, wie folgt: „Mit seinem 2014 erschienenen Debüt ‚Flut und Boden‘, ebenso Familienroman wie autobiographischer Essay, gelingt dem Autor das Porträt zweier Brüder, deren kulturprotestantische Prägung sie ganz unterschiedliche Lebenswege nehmen lässt. Macht der eine Karriere bei der SS im Amt für Rassenhygiene und bleibt auch nach dem Krieg den Ideen des Nationalsozialismus treu, so wendet sich der andere der Naturforschung und Anthroposophie zu und wählt die DDR als Wohnort. 

© Per Leo bei der Preisverleihung | foto: Jochen Reichwein | © Jochen Reichwein

In der Person des Erzählers, eines Geschichtsstudenten, der viele Züge mit dem Autor teilt, reflektiert der Roman, was er ‚The making of a Nazi-Enkel‘ nennt. Es geht ihm immer auch darum, wie sich das oft verhandelte Thema überhaupt noch erzählen lässt, ohne in gedanklichen oder ästhetischen Routinen zu erstarren. Per Leo bringt dieses Kunststück fertig, indem er die Präzision des Historikers mit einem ebenso lakonischen wie sensiblen Ton verbindet und so Erkenntnis behindernde Klischees und Dämonisierungen vermeidet.“

Per Leo wurde 1972 in Erlangen geboren. Er studierte Geschichte, Philosophie und russische Philologie. Leo lebt mit seiner Familie in Berlin und arbeitet als freier Autor und Schatullenproduzent. Leo veröffentlichte 2014 den Roman „Flut und Boden“, in dem er von seinem Großvater und dessen Bruder erzählt, die sich während der Nazizeit grundverschieden entwickeln. 2009 hatte Leo seine Dissertation über Ludwig Klages abgeschlossen, für die er 2011 den Humboldtpreis–Sonderpreis Judentum und Antisemitismus erhielt.