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19.05.2015

Repräsentative Räume in der Villa Wertheimber saniert

Die historische Villa Wertheimber im Gustavsgarten steht von Ende Mai an für Veranstaltungen zur Verfügung.
Den Auftakt macht die Stadt mit einem Chorfest am 31. Mai auf der Terrasse und im Garten der Villa. Ebenfalls wird im Juni das Poesie- und Literaturfestival in der Villa gastieren. Der Schauspieler Dominique Horwitz liest dort am 12. Juni im Rahmen des Festivals aus Turgenjews „Erste Liebe“. Der Reiz: Bei Kerzenlicht soll die Atmosphäre der Räume besonders zur Geltung kommen.

„Die Arbeiten des ersten Bauabschnittes im Erdgeschoss sind nunmehr abgeschlossen, so dass wir die repräsentativen Räume für Veranstaltungen nutzen können“, berichtet Oberbürgermeister Michael Korwisi. Sein Fazit: „Die Villa Wertheimber besitzt einen herausragenden Charakter, der sich im Erdgeschoss schon wieder wunderbar erleben lässt“, so Korwisi. „Das historische Gebäude ist geradezu ein Geschenk für unsere Stadt und ich freue mich sehr, dass diese Räume bei vielen Terminen künftig geöffnet sein werden.“ Der Garten ist bereits seit 1. Mai 2012 wieder zugänglich.

Die Stadt Bad Homburg hatte die Villa und den Gustavsgarten auf Vorschlag von Oberbürgermeister Michael Korwisi 2011 erworben. Im Jahre 2012 ließ sie eine Studie für die künftige Nutzung der denkmalgeschützten Villa erstellen. Der Abbruch der nicht denkmalgeschützten Gebäude begann im März 2013. „Hier danke ich ganz besonders den Anwohnern, die mit Verständnis die oft lärmintensiven Abbrucharbeiten erduldet haben“, sagte der Oberbürgermeister.

Die Stadt ließ dann im Bereich der abgebrochenen Anbauten die Außenfassaden wieder herstellen und Holzfenster einbauen. Im Erdgeschoss wurden unter anderem die nachträglich eingebrachte Trennwand zum ehemaligen Billardzimmer entfernt, die Fußboden überarbeitet und die Wände renoviert.

„In den Erdgeschoss-Räumen haben wir die vorhandene historische Bausubstanz sorgfältig restauriert“, erläutert Korwisi. Ziel sei es gewesen, nicht neuwertige Oberflächen zu schaffen, sondern die Spuren der Geschichte des Gebäudes zu erhalten. So wurde die Holzvertäfelung gereinigt, die Lamperie im ehemaligen Herrenzimmer wieder erlebbar gemacht, und die Stuckdecke im Foyer erhielt wieder ihre ursprüngliche Farbe. Das Parket wurde abgeschliffen und geölt. Auch die Farbgestaltung im kleinen Flur mit einem Begleitstrich nach historischem Vorbild ließ die Stadt wieder herstellen. Diese Farbgestaltung wurde auch für den westlichen Eingangsbereich übernommen.

Die Villa soll im zweiten Bauabschnitt in den oberen Stockwerken für die Nutzung als Stadtarchiv umgebaut werden. Außerdem sind eine Gedenkstätte für Friedrich Hölderlin und eine angemessene Würdigung für Heinrich von Kleist geplant. Eine Arbeitsstätte soll Hölderlinforschungen in den Räumen möglich machen. Die früher in der Stadt untergebrachte Hölderlinwohnung soll ebenfalls in der Villa eingerichtet werden und Wissenschaftlern dienen, die über den Dichter arbeiten. Die Arbeiten sollen im Laufe des Jahres 2016 beendet werden.

Als einziger nicht denkmalgeschützter Teil bleibt ein Anbau stehen, der die Bestände des Stadtarchivs aufnehmen wird. Der Anbau erhält eine vorgehängte Fassade, so dass dieser moderne Gebäudeteil zur historischen Villa passen wird.

„Die Villa Wertheimber soll wieder der Mittelpunkt des Gustavsgartens sein. Wie sie in dieser Anlage wirkt, das lässt sich schon erahnen. Ein Besuch hinterlässt bereits heute einen tiefen Eindruck“, stellt Oberbürgermeister Korwisi fest. „Die Gestaltung der Außenanlagen wird diesen Eindruck künftig noch vertiefen.“

Hintergrund
Der Frankfurter Bankier Julius Wertheimber hatte den Gustavsgarten an der Tannenwaldallee sowie eine östlich angrenzende Fläche im Juli 1898 erworben, um darin eine Sommerfrische-Villa für seine Familie zu errichten. Den Auftrag zur Planung erhielt der renommierte Frankfurter Architekt Franz von Hoven. Er entwarf das prächtige Bauwerk im Stil der Neorenaissance. Vierzig Jahre lang nutzte die Familie das Anwesen, für Julius Wertheimber wurde es sogar gegen Ende seines Lebens zum Rückzugsort, nachdem das Frankfurter Bankgeschäft, das er jahrzehntelang aufgebaut hatte, in der Weltwirtschaftskrise verkauft werden musste. In den dreißiger Jahren flüchtete die Familie vor den Nazis in die USA, nachdem sie zuvor enteignet worden war.

Die Villa Wertheimber ist Zentrum des 6,5 Hektar großen Gustavsgartens. Der Park gehört wie der gegenüberliegende Kleine Tannenwald zu den Landgräflichen Gärten und ist als einzige Parkanlage in dem Stil erhalten geblieben, in dem er angelegt worden ist.

Landgraf Friedrich VI. Joseph bedachte 1822 seinen Bruder Gustav mit dem Grundstück. Dieser und seine Gattin Louise Friederike schufen einen romantischen kleinen Lustgarten im Stil der englischen Gartenkunst. Louise Friederike kannte als Prinzessin des Hauses Anhalt-Dessau auch das Wörlitzer Gartenreich. 1830 entstand im Gustavsgarten der Dorische Tempel, ursprünglich als Teesalon gedacht. Er ist dem Blumengartenhaus im Schlosspark Georgium in Dessau nachempfunden.

Wertheimbers Erben verkauften das Grundstück, das sie nach 1945 im Zuge eines Rückerstattungsverfahrens wiedererlangt hatten, im Jahre 1954 an die Bundesrepublik Deutschland. 1946 war in dem Garten ein Hirnverletztenheim eingerichtet worden, das zwischen 1970 und 2002 Anbauten und den Namen Neurologische Klinik erhielt. Etwa zehn Jahre waren Villa und Garten nach der Schließung der Klinik dann sich selbst überlassen. 2011 erwarb die Stadt Bad Homburg das Gelände einschließlich der modernen Gebäude, die bis auf einen Anbau an der denkmalgeschützte Villa inzwischen abgerissen sind.

Die Stadt hat aus der Wildnis, die nach der Schließung der neurologischen Klinik entstanden war, durch umfangreiche Pflegearbeiten wieder den klassischen englischen Garten hergestellt und erlebbar gemacht. Das Gelände ist seit 2012 erstmals für die Öffentlichkeit zugänglich.
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